Was bedeutet Tragbarkeit?
Unter Tragbarkeit versteht man in der Schweiz die Frage, ob die laufende Belastung einer Hypothekarfinanzierung im Verhältnis zum Einkommen nicht zu hoch ist. Es geht nicht nur darum, ob man die Hypothek “irgendwie” bezahlen kann, sondern ob die Finanzierung auch bei weniger günstigen Bedingungen (z. B. höheren Zinsen) stabil bleibt.
Wichtig: Tragbarkeit ist keine persönliche Finanzberatung, sondern eine Regel-Logik, die Banken für Entscheide und Risikoabschätzung nutzen. Je nach Bank, Produkt und Haushalt können Details abweichen. Der Grundmechanismus ist jedoch oft ähnlich: Banken kalkulieren mit einem höheren Zinssatz als dem aktuellen Marktzins und addieren typische Nebenkosten.
Genau so rechnet der Tragbarkeitsrechner – inkl. 1./2. Hypothek-Aufteilung und optionaler Amortisation.
Wie berechnen Banken die Tragbarkeit?
In der Praxis setzt sich die jährliche Gesamtbelastung typischerweise aus drei Komponenten zusammen: Zins (kalkulatorisch), Unterhalt/Nebenkosten sowie – falls eine 2. Hypothek existiert – eine Amortisation. Diese Komponenten werden auf eine Jahresbasis gebracht und ins Verhältnis zum Einkommen gesetzt.
Kalkulatorischer Zinssatz
Banken rechnen häufig nicht mit dem aktuellen Marktzins, sondern mit einem kalkulatorischen Zinssatz (Stress-Test). Dadurch wird geprüft, ob die Finanzierung auch bei höheren Zinsen tragbar bleibt. Ein verbreiteter Richtwert in vereinfachten Modellen ist rund 5%.
Unterhalt & Nebenkosten (z.B. 1%)
Ein Eigenheim verursacht laufende Kosten: Unterhalt, kleinere Renovationen, Rückstellungen, Nebenkosten. Für die Tragbarkeit wird oft ein pauschaler Satz als Anteil des Kaufpreises angenommen (z. B. 1% pro Jahr). Das ist eine Vereinfachung – in der Realität hängt der Betrag stark vom Objekt ab.
Amortisation der 2. Hypothek
Schweizer Finanzierungen werden oft in 1. Hypothek und 2. Hypothek gedacht. Vereinfacht gilt: Der Teil über 2/3 des Immobilienwerts (die 2. Hypothek) wird häufiger als amortisationspflichtig betrachtet. In vielen vereinfachten Modellen wird diese 2. Hypothek über 15 Jahre linear amortisiert. Den Effekt kannst du mit dem Amortisationsrechner nachvollziehen.
| Komponente | Wie wird sie berechnet? | Typischer Richtwert (vereinfachtes Modell) |
|---|---|---|
| Zins (kalk.) | Hypothek × kalkulatorischer Zinssatz | z. B. ~5% p.a. (Stress-Test) |
| Unterhalt | Kaufpreis × Unterhaltssatz | z. B. ~1% p.a. vom Kaufpreis |
| Amortisation | (2. Hypothek) ÷ Amortisationsdauer | z. B. 15 Jahre (wenn 2. Hypothek vorhanden) |
| Tragbarkeit (%) | Gesamtbelastung ÷ Einkommen × 100 | Schwelle oft ~33% |
Die 33%-Regel: Was steckt dahinter?
Die 33%-Regel ist eine verbreitete Orientierung: Die jährliche Gesamtbelastung aus Zins (kalkulatorisch), Unterhalt und ggf. Amortisation sollte ungefähr ein Drittel des Einkommens nicht überschreiten. Dadurch bleibt im Haushaltbudget typischerweise Raum für Lebenshaltung, Rücklagen und unerwartete Ausgaben.
Wichtig ist, was genau im Zähler steht: Die Bank rechnet meist nicht mit deinem aktuellen Hypothekarzins, sondern konservativer. Daher kann eine Finanzierung “im Alltag” bezahlbar wirken, im Stress-Test aber trotzdem als knapp oder nicht tragbar erscheinen.
Praxis-Hinweis: Es ist sinnvoll, neben der Tragbarkeit auch die Belehnung (LTV) zu verstehen. Das geht schnell mit dem Belehnungsrechner.
Schritt-für-Schritt: Tragbarkeit selbst berechnen
Wenn du die Tragbarkeit überschlagen willst, kannst du in fünf Schritten vorgehen. Für eine saubere Rechnung empfiehlt sich der Tragbarkeitsrechner, weil er die Aufteilung in 1./2. Hypothek und die Amortisation konsistent abbildet.
- Hypothek bestimmen: Kaufpreis − Eigenkapital (mindestens 0).
- Kalkulatorischer Zins: Hypothek × kalkulatorischer Zinssatz (z. B. 5%).
- Unterhalt: Kaufpreis × Unterhaltssatz (z. B. 1%).
- Amortisation: Wenn 2. Hypothek vorhanden, 2. Hypothek ÷ Jahre (z. B. 15).
- Tragbarkeit: (Zins + Unterhalt + Amortisation) ÷ Einkommen × 100.
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Zum Abhaken & Speichern (Screenshot)- Einkommen (brutto) sauber definieren: Lohn, stabile Zusatzeinkommen.
- Eigenkapital realistisch: verfügbare Mittel, Reserven nicht komplett aufbrauchen.
- Kaufpreis plausibel: Reserven für Nebenkosten/Einrichtung berücksichtigen.
- Kalkulatorischen Zinssatz prüfen (Stress-Test).
- Unterhalt/Nebenkosten konservativ ansetzen (z. B. 1% p.a.).
- Belehnung (LTV) prüfen: 80%-Schwelle als Orientierung.
- Vorhandensein einer 2. Hypothek klären (über 2/3).
- Amortisation berücksichtigen (z. B. 15 Jahre) und Budgeteffekt verstehen.
- Monatliche Liquidität: Puffer für unerwartete Ausgaben vorsehen.
- Szenarien rechnen: Was passiert bei höherem Zins oder tieferem Einkommen?
- Ergebnis mit Tools abgleichen: Tragbarkeit + Belehnung + max. Kaufpreis.
Beispiele (mit Zahlen)
Die folgenden Beispiele sind bewusst “banking-grade” vereinfacht: Sie zeigen die Logik, nicht die individuelle Offerte. Annahmen: kalkulatorischer Zinssatz 5%, Unterhalt 1%, Tragbarkeitsschwelle ~33%.
Kaufpreis: 900’000 CHF, Eigenkapital: 180’000 CHF → Hypothek: 720’000 CHF.
Einkommen (brutto): 180’000 CHF/Jahr. Kalk. Zins: 5%, Unterhalt: 1%. (Amortisation hier vereinfacht: 0.)
Ergebnis: klar unter 33% → in diesem Modell tragbar. Den Status und Details kannst du im Tragbarkeitsrechner prüfen.
Kaufpreis: 1’050’000 CHF, Eigenkapital: 150’000 CHF → Hypothek: 900’000 CHF.
Einkommen (brutto): 165’000 CHF/Jahr. Kalk. Zins: 5%, Unterhalt: 1%. (Amortisation vereinfacht: 0; in der Praxis kann sie anfallen.)
Ergebnis: nahe an/über 33% → knapp bis nicht tragbar (je nach Banklogik). Hier wirken die Hebel Eigenkapital/Kaufpreis besonders stark. Teste Varianten im Tragbarkeitsrechner.
Was tun, wenn es nicht tragbar ist?
Wenn die Tragbarkeit über der Schwelle liegt, ist das kein “Ende”, sondern ein Hinweis: Die Finanzierung ist nach konservativer Logik zu ambitioniert. Typische Massnahmen zielen darauf ab, die Hypothek zu senken, die Kosten zu reduzieren oder die Struktur zu verbessern.
Mehr Eigenkapital
Mehr Eigenkapital reduziert die Hypothek direkt und verbessert oft die Belehnung. Das wirkt sich doppelt positiv aus: weniger kalkulatorischer Zins und meist bessere Finanzierungskonditionen. Hintergrund: Eigenkapital.
Günstigerer Kaufpreis
Ein tieferer Kaufpreis senkt Hypothek und Unterhalt (wenn dieser als Prozent vom Kaufpreis gerechnet wird). Wenn du wissen willst, wo ein plausibler Kaufpreis unter typischen Tragbarkeitsschwellen liegt, nutze den Maximaler Kaufpreis Rechner.
Zweite Hypothek reduzieren / amortisieren
Wenn eine 2. Hypothek vorhanden ist, kann die Amortisation die jährliche Belastung erhöhen. Eine Reduktion der 2. Hypothek (z. B. durch mehr Eigenkapital) oder ein klarer Amortisationsplan hilft oft. Rechne den Effekt im Amortisationsrechner nach.
Tipp: Prüfe zusätzlich Unterhaltannahmen. Hintergrund: Unterhaltskosten.
FAQ
Was genau bedeutet “Tragbarkeit” bei einer Hypothek?
Tragbarkeit beschreibt, ob die laufende Belastung (Zins kalk., Unterhalt, ggf. Amortisation) im Verhältnis zum Einkommen nicht zu hoch ist.
Warum wird häufig mit etwa 5% kalkulatorischem Zins gerechnet?
Das ist ein Stress-Test: Banken prüfen so, ob die Finanzierung auch bei höheren Zinsen stabil bleibt. Details: kalkulatorischer Zinssatz.
Was umfasst die 33%-Regel?
Vereinfacht: Gesamtbelastung (Zins kalk. + Unterhalt + ggf. Amortisation) soll etwa ≤ 33% des Bruttoeinkommens bleiben.
Gilt die Regel immer gleich?
Sie ist eine verbreitete Orientierung. Details können je nach Bank, Haushalt und Produkt variieren, aber die Logik bleibt oft ähnlich.
Was ist die 2. Hypothek und warum ist Amortisation relevant?
Vereinfacht ist der Anteil über 2/3 des Kaufpreises die 2. Hypothek. Dieser Teil wird häufig amortisationspflichtig betrachtet. Rechnen: Amortisationsrechner.
Was ist der beste erste Schritt, wenn ich eine Immobilie ins Auge fasse?
Tragbarkeit im Tragbarkeitsrechner prüfen und danach Belehnung sowie max. Kaufpreis ergänzen.
Welche Tools helfen mir zusätzlich?
Für Struktur & Grenzen: Belehnung, Max. Kaufpreis und Amortisation.
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