- Der kalkulatorische Zinssatz ist ein konservativer Zinssatz, mit dem Banken die Tragbarkeit rechnen.
- Er liegt häufig bei rund 5% (nicht identisch mit deinem aktuellen Hypothekarzins).
- Damit wird geprüft, ob du auch bei Zinsanstieg die laufenden Kosten tragen kannst.
- Je höher der kalkulatorische Zinssatz, desto höher die rechnerische Belastung – und desto strenger die Tragbarkeit.
- Praxis: Tragbarkeit wird meist mit Zins + Unterhalt + (falls relevant) Amortisation bewertet.
Tragbarkeit direkt prüfen – mit kalkulatorischem Zinssatz und klarer Aufschlüsselung.
Tragbarkeit berechnenWas bedeutet ‘kalkulatorischer Zinssatz’?
Der kalkulatorische Zinssatz (auch: theoretischer Zinssatz) ist ein Prüfzinssatz, den Banken für die Tragbarkeit verwenden. Er hat ein klares Ziel: Risiken abfedern. Eine Hypothek läuft oft über Jahrzehnte. Die Zinsen können in dieser Zeit stark schwanken. Wenn die Tragbarkeit nur mit dem aktuellen Marktzins geprüft würde, könnte eine Finanzierung in einem Tiefzinsumfeld “gut” aussehen – und später bei höheren Zinsen plötzlich zu teuer werden.
Deshalb rechnet die Bank mit einem höheren Zinssatz, als du heute vielleicht bezahlst. Dieser Zinssatz ist nicht deine Offerte und nicht dein Vertrag, sondern ein Instrument zur Beurteilung, ob dein Budget auch unter Stressbedingungen stabil bleibt.
Warum rechnen Banken mit einem höheren Zinssatz?
Stress-Test & Zinsrisiko
Hypothekarzinsen können sich bewegen – manchmal schnell, manchmal schleichend. Ein Stress-Test mit kalkulatorischem Zinssatz simuliert ein Szenario, in dem die Zinsen deutlich höher liegen als heute. Das schützt sowohl die Bank als auch dich als Kreditnehmer: Du erhältst eine Finanzierung, die nicht nur “heute” passt, sondern auch bei ungünstigeren Bedingungen nicht sofort kippt.
Schutz vor Überschuldung
Überschuldung entsteht häufig nicht durch einen einzelnen Fehler, sondern durch eine Kombination: zu hoher Kaufpreis, zu wenig Eigenkapital, unterschätzte Nebenkosten – und steigende Zinsen. Der kalkulatorische Zinssatz wirkt wie eine Sicherheitsmarge. Er zwingt dazu, Reserven einzubauen, bevor es kritisch wird.
Praktisch bedeutet das: Ein Haushalt kann sich eine Hypothek oft leisten, obwohl der aktuelle Zins tief ist – die Bank fragt aber: “Würde es bei 5% auch noch funktionieren?”
Welche Werte sind üblich (z.B. 5%)?
Häufig wird im Markt ein kalkulatorischer Zinssatz von rund 5% erwähnt. Dieser Wert ist eine pragmatische Faustregel, um Zinsrisiken abzudecken. Wichtig: Es gibt keine Garantie, dass jede Bank immer exakt denselben Wert nutzt. In der Praxis können Richtwerte je nach Institut, Produkt, Kundensituation und internen Regeln variieren.
Zusätzlich zum kalkulatorischen Zins werden meist auch Unterhalt/Nebenkosten (oft als Prozentsatz des Kaufpreises) und – falls relevant – eine Amortisation der 2. Hypothek berücksichtigt. Genau diese Kombination entscheidet am Ende, ob eine Finanzierung als tragbar gilt.
Unterschied: realer Hypothekarzins vs. kalkulatorischer Zinssatz
Der reale Hypothekarzins ist der Zinssatz, den du tatsächlich bezahlst (z. B. gemäss Offerte). Der kalkulatorische Zinssatz ist dagegen ein Prüfzinssatz für die Tragbarkeit. Das führt oft zu einer überraschenden Situation: Du zahlst vielleicht 2% – die Bank rechnet aber mit 5%.
| Aspekt | Realer Hypothekarzins | Kalkulatorischer Zinssatz |
|---|---|---|
| Zweck | Preis der Finanzierung (effektive Kosten) | Risiko- und Tragfähigkeitsprüfung (Stress-Test) |
| Höhe | Marktabhängig, oft tiefer (z. B. 1–3%) | Konservativer Richtwert (z. B. ~5%) |
| Verändert sich? | Je nach Produkt/Verlängerung/Markt | Je nach Bank-Richtlinie; meist stabiler |
| Relevanz | Für dein reales Monatsbudget | Für Bankentscheid: “tragbar / nicht tragbar” |
| Konsequenz | Bestimmt die tatsächliche Zinsbelastung | Kann Finanzierung begrenzen, auch wenn Zins heute tief ist |
So beeinflusst der kalkulatorische Zinssatz die Tragbarkeit
In der Tragbarkeit geht es grob darum, ob die laufenden Kosten im Verhältnis zum Einkommen “vernünftig” bleiben. Ein höherer kalkulatorischer Zinssatz erhöht die rechnerischen Zinskosten – und damit die Belastung. Wenn du knapp kalkulierst, kann der Unterschied zwischen real und kalkulatorisch entscheidend sein.
Formel (vereinfacht)
Vereinfacht:
Gesamtbelastung (pro Jahr) = Hypothek × kalkulatorischer Zins + Kaufpreis × Unterhalt + (optional) Amortisation
Tragbarkeit (%) = Gesamtbelastung / Bruttoeinkommen × 100
Für eine konkrete Berechnung (inkl. 1./2. Hypothek und optionaler Amortisation) nutze den Tragbarkeitsrechner.
Beispielrechnung
Angenommen: Kaufpreis 900’000, Eigenkapital 180’000 → Hypothek 720’000.
Einkommen (brutto) 180’000 pro Jahr. Kalkulatorischer Zins 5%, Unterhalt 1%.
Amortisation: nur relevant, wenn eine 2. Hypothek vorhanden ist (hier: Hypothek = 80% → typischerweise keine 2. Hypothek über 2/3? In der Praxis hängt es von der 2/3-Aufteilung ab).
In diesem Beispiel wirkt es tragbar. Wenn Einkommen tiefer oder Hypothek höher ist, kann der Stress-Test schnell über die Schwelle steigen. Prüfe das sauber im Tragbarkeitsrechner.
Rechne deine Tragbarkeit mit kalkulatorischem Zinssatz (inkl. Unterhalt & Amortisation).
Tragbarkeit berechnenWas kann ich tun, wenn es ‘nicht tragbar’ ist?
Wenn die Tragbarkeit über der Schwelle liegt, ist das ein Signal: Die laufende Belastung ist im Verhältnis zum Einkommen zu hoch – zumindest nach konservativer Banklogik. Es gibt mehrere Stellschrauben. In der Praxis werden oft Kombinationen eingesetzt.
Mehr Eigenkapital
Mehr Eigenkapital senkt die Hypothek. Das reduziert direkt die Zinsbelastung – sowohl real als auch kalkulatorisch. Zusätzlich verbessert Eigenkapital oft die Belehnung. Nutze den Belehnungsrechner, um LTV und Aufteilung in 1. und 2. Hypothek besser einzuordnen.
Günstigerer Kaufpreis
Ein tieferer Kaufpreis reduziert nicht nur die Hypothek, sondern auch den Unterhalt (der häufig als Prozent vom Kaufpreis angesetzt wird). Wenn du wissen willst, welcher Kaufpreis unter typischen Annahmen eher realistisch ist, nutze den Maximaler Kaufpreis Rechner.
Haushaltsbudget optimieren
Banken betrachten Tragbarkeit häufig auf Basis des Bruttoeinkommens. Trotzdem ist die reale Lebenshaltung entscheidend, um Reserven zu haben. Praktisch kann es helfen, fixe Ausgaben zu senken, zusätzliche stabile Einkommen zu berücksichtigen oder grössere Reserven aufzubauen.
Wenn eine 2. Hypothek vorliegt, kann die Amortisation die Belastung zusätzlich erhöhen. Details findest du im Amortisationsrechner.
FAQ
Ist der kalkulatorische Zinssatz mein tatsächlicher Hypothekarzins?
Nein. Er ist ein Prüfzinssatz für die Tragbarkeit. Dein realer Zins kommt aus der Offerte bzw. dem Vertrag.
Warum wird oft mit 5% gerechnet?
5% ist ein verbreiteter konservativer Richtwert für den Stress-Test. Er soll Zinsanstiege und Budgetrisiken abfedern.
Wie hängt das mit der 33%-Regel zusammen?
Vereinfacht gilt: Zins (kalkulatorisch) + Unterhalt + ggf. Amortisation sollten im Verhältnis zum Bruttoeinkommen eine Schwelle (z. B. ~33%) nicht überschreiten.
Wird Unterhalt wirklich berücksichtigt?
Häufig ja, als Richtwert (z. B. 1% p.a. vom Kaufpreis). Das kann je nach Objekt und Bankansatz variieren.
Wann fällt eine Amortisation an?
Vereinfacht wird oft die 2. Hypothek (Anteil über 2/3 des Kaufpreises) als amortisationspflichtig betrachtet. Details: Amortisationsrechner.
Was ist der beste nächste Schritt?
Berechne deine Tragbarkeit im Tragbarkeitsrechner und ergänze danach Belehnung und maximalen Kaufpreis für eine konsistente Einordnung.
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